Peter Altmaier unterstützt Frauenquote in Vorständen

Als Familienministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht (beide SPD) Anfang des Jahres einen Reformvorschlag für die Frauenquote in Unternehmen vorlegten, antwortete das von Peter Altmaier geführte Wirtschaftsministerium sinngemäß, die Wirtschaft habe momentan schon genug Belastungen. Für eine Frauenquote sei deshalb nicht die richtige Zeit.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern sei in vielen Bereichen immer noch nicht erreicht. Insofern sei es richtig, dass die Koalition hier den nächsten Schritt tue. In staatlichen Stellen, Ministerien und Behörden, sollten »diese Fragen der Gleichstellung« in einigen Jahren gelöst sein, sagte der CDU-Politiker laut einem am Samstag veröffentlichten Interviewausschnitt.

Justiz- und Familienministerium sowie Unionsvertreterinnen hatten am Freitagabend mitgeteilt, dass erstmals Vorgaben für mehr Frauen in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen gemacht werden.

Einigung beinhaltet keine feste Frauenquote

Bei mehr als drei Mitgliedern muss danach künftig ein Mitglied eine Frau sein. Allerdings beschloss die Arbeitsgruppe der Koalition damit keine feste Frauenquote – denn auch in einem größeren Vorstand kann es künftig theoretisch bei einer Frau bleiben. In der kommenden Woche sollen die Koalitionsspitzen die Einigung absegnen. Ein Kabinettsbeschluss ist im Dezember geplant.

Der Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion für Frauenpolitik genügte diese Einigung nicht. »Es wird höchste Zeit, dass eine verbindliche Frauenquote in Vorständen eingeführt wird. Leider kann man das, was SPD und Union jetzt vollmundig als Quote für Vorstände ankündigen, höchstens als Mindestbeteiligung bezeichnen«, sagte sie. »Mehr ist es nicht.« Anders als bei einer richtigen Quote erhöhe sich die Zahl der Frauen in größeren Vorständen nicht automatisch. Das sei zu wenig. Die Regel solle zudem nur für rund 70 Unternehmen gelten.

DIW-Chef begrüßt Einigung

Neben Altmaier begrüßte auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, das Vorhaben der Großen Koalition. Es handele sich um einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung und Chancengleichheit in Deutschland, sagte Fratzscher dem »Handelsblatt«.

»Zwar ist dies nur ein kleiner Schritt, dieser ist jedoch von hoher Signalwirkung, da er große Unternehmen zwingt, deutlich mehr als bisher für die Gleichstellung und Chancengleichheit zu tun.« Fratzscher betonte: »Auch die Unternehmen werden letztlich davon profitieren, denn viele Studien zeigen, dass diverse Vorstände erfolgreicher sein können, vor allem, um die wichtige Transformation der deutschen Wirtschaft voranzubringen.«

Icon: Der Spiegel

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