Coronavirus in Brasilien: Wieder mal Hotspot

»Fora Bolsonaro!« – »Bolsonaro raus!«

Es ist der Schlachtruf der Regierungskritier in Brasilien. Sie fordern das Ende von Präsident Jair Bolsonaro – zu Coronazeiten eben mit Abstand im Autokorso.

Pedro Paulo Gomes, Demonstrant:
»Das ist sehr wichtig, um zu zeigen, dass wir trotz der Pandemie auf der Straße sind. Es ist wichtig, um unsere Unzufriedenheit mit dieser rechten Regierung zu zeigen, mit den Rechtsextremen, den Neoliberalen, mit allem.«

Die Kritik an Bolsonaro ist vielseitig, aber im Moment geht es besonders um seinen Umgang mit der Coronakrise  – aktuell im Speziellen mit dem Impfprozess.

Bolsonaro hatte die Pandemie immer und immer wieder kleingeredet, infizierte sich zwischenzeitlich auch selbst und nutzte das für seine Propaganda. Zuletzt sprach er sich auch gegen das Impfen aus, schürte Ängste vor Nebenwirkungen.

Auf der Straße sorgt das für Empörung und Wut.

Raul Silveira, Demonstrant:
»What the people want are vaccines for everyone, people want emergency support, people want Bolsonaro out. Nobody can take that idiot, that monster, that genocidal murderer in the Brazilian presidency.«

Was die Menschen wollen, sind Impfungen für alle. Die Menschen wollen eine Notfallversorgung, sie wollen, dass Bolsonaro verschwindet. Niemand kann diesen Idioten, diesen Mann, der Völkermord begeht, als brasilianischer Präsident ertragen.

Erst seit dem vergangenen Wochenende wird in Brasilien geimpft. Es gibt Notfallzulassungen für zwei Impfstoffe: für das Präparat von AstraZeneca und der Universität Oxford sowie für den Impfstoff Coronavac vom chinesischen Hersteller Sinovac. Aber der Prozess verläuft schleppend. Derzeit gibt es viel zu wenige Dosen für die 210 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Und: beim chinesischen Hersteller gibt es Zweifel an der hohen Wirksamkeit.

Brasilien ist nach wie vor eines der Länder, die die Pandemie am härtesten getroffen hat – und es befindet sich mitten in einer dramatischen zweiten Welle mit rund 60.000 Neuinfektionen täglich.

Im Amazanos-Gebiet und dessen Hauptstadt Manaus ist die Situation besonders prekär, hier hat eine Virus-Mutante große Sorgen ausgelöst. Das Gesundheitssystem kollabiert, das zeigt auch das Beispiel Osmar Magalhaes. Er hat sich mit dem Coronavirus infiziert – und als sich sein Zustand verschlechterte, fuhr ihn seine Tochter Karoline zu zwei Krankenhäusern – und wurde abgewiesen.

Karoline Magalhaes, Tochter eines Corona-Patienten:
»Man hat uns gesagt, wir sollten ihn zu Hause behandeln. Denn dort hatten sie keine Kapazitäten mehr für weitere Patienten. Es fehlt an Sauerstoff für Patienten, Sauerstofftanks werden geteilt und die Gänge sind voll.«

Die Familie richtete zu Hause ein Krankenlager ein – mit Gastanks vom Schwarzmarkt und privat bezahlten Therapeuten.

Karinna Fernandes, Therapeutin:
»Durch Übungen haben wir es geschafft, die Sauerstoffsättigung auf 95 zu erhöhen, mit 30 Minuten Sauerstoffversorgung am Tag.«

Osmar Magalhaes, Corona-Patient:
»Gott sei Dank geht es mir viel besser, nach viel Arbeit mit Physiotherapie. Das hat mir enorm geholen.«

Diese Mittel haben die allermeisten Brasilianerinnen und Brasilianer natürlich nicht. Für sie dürfte es deutlich dramatischer werden, wenn sie keinen Platz mehr auf einer Intensivstation finden.

Gleichzeitig sind die Krankenhäuser so überfordert, dass Angehörige kaum Informationen erhalten. Auch Karolines Mutter ist infiziert – sie liegt im Krankenhaus.

Karoline Magalhaes, Tochter eines Corona-Patienten:
»Ich habe seit drei Tagen keine Informationen zu meiner Mutter erhalten. Ich weiß nicht, ob sie am Leben oder tot ist, oder ob sie sich im Krankenhaus gut erholt.«

So wächst auch der Druck auf Bolsonaro weiter. Laut einer Umfrage bewerten 40 Prozent der Braslianerinnen und Brasilianer seine Regierung als schlecht oder furchtbar. Weniger als ein Drittel schätzt sie noch positiv ein.

 

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