Alexej Nawalnys Mitstreiter Leonid Wolkow: »Putin kann sich weniger auf seinen Sicherheitsapparat verlassen«

SPIEGEL: Herr Wolkow, Sie und Ihre Mitstreiter hatten zu Protesten aufgerufen. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Wolkow: Ja. Trotz einer beispiellosen Einschüchterungskampagne sind so viele Menschen auf die Straße gegangen wie nie zuvor, und in so vielen Städten wie nie zuvor. Ich gehe davon aus, dass im ganzen Land um die 300.000 Leute teilgenommen haben. So viel hatten wir nicht mal 2011, und damals waren die Kundgebungen offiziell genehmigt.

SPIEGEL: Unabhängige Schätzungen liegen niedriger, sie kommen etwa für Moskau auf 20.000 bis maximal 40.000 Menschen. Aber es ist beeindruckend, in wie vielen Städten demonstriert wurde. Offenbar auch dort, wo es gar keinen »Stab« von Nawalnys Organisation gibt?

Wolkow: Wir haben 40 Stäbe im Land. Demonstriert wurde in 120 Städten.  

SPIEGEL: Sie haben bereits zu neuen Protesten am kommenden Wochenende aufgerufen. War das von vornherein beabsichtigt?

Wolkow: Es war klar, dass wir mit einer einzelnen Kundgebung Alexej nicht befreien können. Und indirekt hat uns das Putins Sprecher Dmitrij Peskow bestätigt, als er behauptete, es seien ja nur wenige Leute bei den Demonstrationen gewesen – viele Leute dagegen stimmten für Putin. Offenbar zählt Peskow jeden, der nicht auf die Straße geht, gleich zu Putins Anhängern. Das war ein ziemlich provokativer Satz, auf den möchten wir antworten. Natürlich hängt viel davon ab, ob die Protestwelle wachsen wird.

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