Stunde der Winter-Vögel: Epidemie verkleinert Blaumeisen-Population

Im derzeitigen Lockdown haben sich laut Naturschutzbund (Nabu) besonders viele Naturfreunde Zeit für die »Stunde der Wintervögel« genommen. Nach Angaben des Verbandes vom Dienstag beobachteten rund 164.000 Menschen bundesweit die Vögel in Parks und Gärten – so viele wie noch nie.

3,9 Millionen Vögel wurden gezählt, im Schnitt waren das pro Beobachtung 23 Vögel. Im Vorjahr lag der Schnitt bei 25 Vögeln.

Ein möglicher Grund für den Rückgang könnte laut Nabu der erneut sehr milde Winter sein. »Denn je wärmer und schneeärmer der Winter ist, desto geringer fällt auch die Zahl der Vögel in den Gärten aus«, hieß es in einer Mitteilung. Die Vögel halten sich demnach vermehrt in den Wäldern auf, wo sie natürliche Nahrungsquellen finden.

Epidemie dezimiert Blaumeisen-Bestände

Eine Zwischenauswertung zeigt, dass der Haussperling in Gärten in Deutschland nach wie vor am häufigsten vorkommt, gefolgt von der Kohlmeise. Ebenfalls auf dem Treppchen: die Ringeltaube auf Platz drei. Sie sei um 31 Prozent häufiger gemeldet worden als im Vorjahr, ein mögliches Anzeichen für eine positive Bestandsentwicklung. Auffällig sei auch, dass die Straßentaube, derzeit auf Platz zehn, 67 Prozent mehr Meldungen verzeichnete als im Vorjahr.

Die Blaumeise liegt momentan auf Platz vier. Bundesweit wurde ein Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr registriert. Im Frühjahr 2020 hatte eine durch ein Bakterium ausgelöste Epidemie die Bestände dezimiert. Innerhalb weniger Tage waren mehrere Zehntausend Vögel gestorben. Laut Nabu hat sich der Bestand noch nicht wieder vollständig erholt.

Das für den Schwund verantwortliche Bakterium Suttonella ornithocola wurde erstmals im Frühjahr 1996 in England und Wales für ein massenhaftes Vogelsterben verantwortlich gemacht. 2018 fand man den Erreger auch in Deutschland. Er befällt die Organe der Blaumeisen, sie sterben letztlich an Lungenentzündungen.

Eine endgültige Auswertung will der Nabu ab Ende Januar vornehmen, wenn alle Teilnehmer ihre Beobachtungen gemeldet haben. Die »Stunde der Wintervögel« fand vom 8. bis 10. Januar statt.

Icon: Der Spiegel

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