Europas Flüsse von mehr als 1,2 Millionen Dämmen zerschnitten: Zerstörte Landschaften

SPIEGEL: Europas Flüsse sind durch mehr als 1,2 Millionen Dämme, Wehre, Wasserkraftwerke und Furten unterbrochen, berichten Forscher im Fachblatt Nature. Müssen wir uns Sorgen machen?

Zarfl: Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Die Autoren sind in 26 Ländern 2700 Flusskilometer von 147 Flüssen abgelaufen und haben zudem 630.000 Einträge aus Datenbanken ausgewertet. Im Schnitt gibt es demnach alle 1,4 Kilometer eine Barriere in Europas Flüssen, in Deutschland sind es sogar zwei Hindernisse pro Flusskilometer. Das Ausmaß der Fragmentierung ist damit viel höher als erwartet. Kaum ein Flussnetzwerk auf der Welt ist so zerstückelt wie das europäische.

SPIEGEL: Welche Folgen hat das?

Zarfl: Flüsse sind eigentlich sehr dynamische Lebensräume. Sie verteilen Nährstoffe großflächig und machen dadurch Land fruchtbar. Sie verändern immer wieder ihren Lauf, verzweigen sich, mäandern und formen weite Auenlandschaften, die Lebensräume für zahllose Arten bieten. Was wir heute kennen, sind dagegen gezähmte, schiffbare Flüsse, die eher Kanälen gleichen. Diese Eingriffe behindern die Verteilung von nährstoffreichen Sedimenten und die Verbreitung und Wanderung von Fischen und anderen Organismen.

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