Coronavirus: Forschen gelingt 3D-Bild von Sars-CoV-2

Seit dem Beginn der Pandemie kennt die Wissenschaft den Feind. Sars-CoV-2 ist ein winziges Virus in Kugelform und erreicht eine Größe zwischen 60 und 140 Nanometern. Charakteristisch sind seine Stacheln, die außen an der Virushülle hervorschauen – mit einem Teil davon dockt Sars-CoV-2 an die Wirtszelle an und dringt in sie ein. 

Meist wird das Virus als Modell dargestellt, die Abbildungen der Kugel mit den sogenannten Spike-Proteinen haben dabei längst rund um den Globus Ikonenhaften Charakter bekommen. Nun aber konnten Forscher von Nanographics, einer Ausgründung der Technischen Universität Wien, erstmals einen echten, dreidimensionalen Blick auf das Coronavirus erhalten. Die Bilder gelangen bei echten Viren, die aus schockgefrorenen Proben stammen, berichtet der Österreichische Rundfunk (ORF).

Die Visualisierung wurde durch die Vorarbeit von Forscherinnen und Forschern von der Tsinghua University in Peking ermöglicht. Dort hat es ein Team um Sai Li geschafft, Sars-CoV-2-Viren zu extrahieren und per Kryoelektronenmikroskopie zu scannen und zu digitalisieren. Über die Architektur des Virus schrieb das Team einer Studie in der Fachzeitschrift “Cell” im Oktober.

Andere Forscher, einige davon aus Wien, erstellten aus den Daten bereits im vergangenen Jahr dreidimensionale Abbildungen. »Sie kann leicht auf den neuesten Stand gebracht werden, wenn neue Daten vorliegen«, schrieben sie. Dabei durften die Spike-Proteine möglichst nicht beschädigt oder verändert werden. Die Schwierigkeit habe darin bestanden, die Salzlösung, in die die Erreger gebettet wurden, für die Visualisierung verschwinden zu lassen. Tatsächlich würden die Bilder des Virus gut zu den bisherigen Darstellungen in Form und Größe passen, sagte Ivan Viola, einer der beteiligten Forscher laut ORF.

Die Experten hoffen, dass ihr Visualisierungssystem ein nützliches Werkzeug für die Erforschung des Virus ist. Neue Erkenntnisse über Proteinstruktur oder Virusmembran könnten aus Datenbanken leicht integriert werden, wenn Wissenschaftler aus verschiedenen biologischen Bereichen Informationen austauschen. Das soll langfristig dazu beitragen, Sars-CoV-2 besser kennenzulernen und neue Therapieansätze zu erkennen.

Icon: Der Spiegel

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