Ottessa Moshfegh: Sterben, wenn das Leben zu schön ist

Vor zweieinhalb Jahren schrieb Ottessa Moshfegh einen offenen Brief an Donald Trump. Sie frage sich manchmal, ob sie komplett verrückt sei. Schon als sie fünf Jahre alt war, habe sich ihr Leben wie eine Farce angefühlt, wie die »absurde Performance einer Realität«. Die Schriftstellerin wandte sich an den damaligen US-Präsidenten: »Können Sie das nachvollziehen? Es scheint, als wüssten Sie auch, dass die Realität flexibel ist, dass Sie sie mit Ihrem Geist und Ihren Worten verbiegen können.«

Moshfeghs Brief besaß einen ironischen Ton, war im Kern aber wahr. Trump und die 39-jährige Schriftstellerin Moshfegh haben etwas gemeinsam: Für beide ist die eigene Vorstellungskraft wichtiger als die Realität und ihre Regeln.

Moshfegh macht das in der Literatur zu einer der verstörendsten und interessantesten zeitgenössischen Autorinnen, weil sie mit ihren Figuren abtaucht in Fantasie und Abgründe. »Mit der Erde stimmt was nicht. Mit dir und allen anderen Menschen hier stimmt was nicht. Es gibt absolut nichts, nichts, nichts, was mit mir nicht stimmt«, sagt ein kleines Mädchen in Moshfeghs Kurzgeschichte »Ein besserer Ort« zu seiner Mutter.

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