Keine zweite Chaosnacht in Leipzig

Gegen 15.30 Uhr beginnt am Samstag der Protestzug gegen die Anti-Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. Aber dieses Mal verläuft er anders als vor zwei Wochen, als es eine Großkundgebung sogenannter Querdenker aus dem Ruder lief.

200 bis 300 Demonstranten sind es zunächst nur, die sich vom Eingang der Nikolaikirche in Richtung Leipziger Markt in Bewegung setzen. Auf einem ihrer Schilder steht »Good News, Jesus lebt«.

Am Markt wirken sie erst etwas orientierungslos, aber ihr Ziel ist eindeutig der Leipziger Ring. Wenig später kommt es dann zum ersten Aufeinandertreffen mit Gegendemonstranten. Es gibt Wortgefechte. Die Polizei scheint unvorbereitet. Hastig zieht sie Ketten zwischen den Lagern. Es ist nicht das letzte Mal, dass sie hektisch eingreift. Aber das ganz große Chaos bleibt aus.

Ein Maskenbefreiungs-Attest bremst den Protest aus

Die einzige angemeldete Protestveranstaltung gegen die Corona-Schutzverordnung des Tages sollte eigentlich auf dem Kurt-Masur-Platz starten. Sie ist für 250 bis 500 Leute ausgelegt, darf aber gar nicht erst beginnen, weil das unvollständige Maskenbefreiungs-Attest des Anmelders von der Versammlungsbehörde nicht akzeptiert wird.

Viele von denen, die zum Kurt-Masur-Platz gekommen sind, schließen sich der Gruppe von der Nikolaikirche an. Zwischenzeitlich wächst der Zug auf etwa 800 bis 1000 Menschen an. Am Marktplatz schlagen sie der Polizei eine Finte und versuchen, über das Barfußgäßchen zum Ring zu kommen. Doch in der Großen Fleischergasse werden sie schließlich eingekesselt.

Weiter kommen sie heute nicht mehr. Die Polizei fordert sie auf, die Versammlung aufzulösen und kündigt an, die Personalien von denen festzustellen, die nicht freiwillig gehen. Die Stimmung ist zwischenzeitlich aggressiv. Es gibt auch den Versuch, die Kette zu durchbrechen. Die Polizei setzt nach dpa-Angaben Pfefferspray ein.

Schließlich bereitet sie kleinen Gruppen von Abzüglern den Weg zur S-Bahn-Station am Markt, da es in den angrenzenden Straßen Ansammlungen von Gegenprotestlern gegeben habe, wie ein Polizeisprecher sagt. Auch am Markt kommt es noch einmal zu Prügeleien. Aber einen Triumphzug der Demonstranten gibt es nicht.

Oberbürgermeister Jung: »Katz-und-Maus-Spiel«

Das Fazit: Erneut hat ein breites Spektrum von Kritikern der Corona-Schutzmaßnahmen der Regierung, Verschwörungsgläubigen und Rechtsextremen versucht, das Andenken an die Friedliche Revolution von 1989 für seine Zwecke zu vereinnahmen. Es kam zu mehreren gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und in kleinerem Umfang auch gegen Journalisten, aber auch zwischen den Demonstranten und Gegendemonstranten. Am Hauptbahnhof attackierten rund 100 Rechtsextreme tagsüber die Polizei mit Steinen. Die geht dennoch davon aus, dass ihr Einsatzkonzept aufgegangen ist.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) spricht von einem »Katz-und-Maus-Spiel«, zugleich aber von einer ganz anderen Situation als vor zwei Wochen, und von einer gut abgestimmten Strategie zwischen Polizei und Versammlungsbehörde. Ein Lob hat er zudem für die Gegendemonstranten auf dem Augustusplatz übrig: »Man kann mit Recht stolz sein, dass mehr als 1000 Menschen friedlich, mit Abstand und Atemschutz demonstriert haben«, sagte Jung.

mit Material von dpa

Icon: Der Spiegel

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